Asthma

Asthma & Pollen

Da die Atemwege bei Asthmapatienten:innen chronisch gereizt sind, reagieren sie auch empfindlicher auf alle anderen Einflüsse, die die Atemwege zusätzlich reizen. Eine häufige Ursache für einen akuten Asthmaanfall oder eine Krankheitsverschlechterung (Exazerbation) bei allergischem Asthma (siehe extrinsisches Asthma) sind Pollen (Blütenstaub), die von Gräsern, Kräutern und Bäumen freigesetzt werden. Selbst bei Personen, bei denen bisher kein allergisches Asthma oder generell ein Asthma bronchiale diagnostiziert wurde, kann eine allergische Reaktion den Ausbruch der Erkrankung begünstigen. Diese Allergen-Belastung führt oft schon im Kindesalter dazu, dass sich ein Asthma bronchiale manifestiert.

Unter einer Pollenallergie, umgangssprachlich auch als Heuschnupfen bekannt, leiden rund eine Million Österreicher:innen. Zu den bekannten Symptomen zählen vor allem juckende Augen, Niesanfälle, eine ständig rinnende Nase (Fließschnupfen), ein kratzender Hals, Hautreaktionen und Atembeschwerden. Da die Symptome meist nur in einem bestimmten Zeitraum vorkommen, wird das Leiden auch als saisonales Asthma bezeichnet. (um Heuschnupfensymptome vom allergischen Asthma abzugrenzen: siehe Asthma-Symptome).

Wie lange dauert die Pollen-Saison?

Während saisonales Asthma früher vor allem im Frühling diagnostiziert wurde, sorgen wärmere Winter und mehr Extremwetter-Ereignisse nun für eine weit längere „Saison“. Der Klimawandel sorgt mittlerweile für einen fast ganzjährigen Pollenflug, so die Experten:innen der österreichischen Polleninformation. Besonders die warmen Winter der letzten Jahre haben dazu geführt, dass etwa Erle und Hasel bereits im Jänner blühen, mit entsprechenden Auswirkungen auf Allergiker:innen.

Welche Pollen machen Probleme?

Wer genau auf welche Blütenstaubkörnchen empfindlich reagiert, lässt sich nicht vorhersagen und ist individuell ganz unterschiedlich. Einige Betroffene reagieren nur auf den Blütenstaub einer bestimmten Pflanze, andere wiederum auf Stäube unterschiedlicher Gräser und Bäume. Eine Rolle spielt auch die Menge produzierter Pollenkörper: manche Menschen reagieren erst, wenn sich Blütenstaub bereits mit freiem Auge erkennbar als (oft gelber) Niederschlag bemerkbar macht, andere reagieren schon auf nur wenige und sehr kleine Pollenkörnchen. Dabei kann es mitunter auch passieren, dass sich die Entzündungszellen gegen die an sich harmlosen „Feinde“ (die wasserlöslichen Proteine der Pollenkörper) von außen so vehement wehren, dass es zu einem akuten Asthmaanfall kommen kann. (siehe auch: Was tun bei einem Asthmaanfall).

Pollenallergiker:innen können im Prinzip auf alle blühenden Grasflächen, Getreidefelder und Bäume reagieren. Es gibt aber Pflanzenarten, die es Betroffenen besonders schwer machen und besonders häufig als Auslöser für eine Allergie in Frage kommen. Zu diesen üblichen „Verdächtigen“ zählen in der Reihenfolge ihres jährlichen saisonalen Auftretens: Erle, Hasel, Birke, Esche, Pappel, Weide, Hainbuche, Platane, Eichen, Kiefer, Gräser, Roggen, Gräser, Pilzsporen, Beifuß und Ragweed (aufrechtes Traubenkraut, Ragweed-Ambrosia). Letzteres Gewächs wurde erst kürzlich aus Nordamerika eingeschleppt und verbreitet sich nun auch in Europa rasant. Da ihre Pollen wesentlich potenter als die anderer Gräser sind und die Pflanze vom Sommer bis zum Herbst blüht, verlängert allein dieses Kraut die Pollensaison und damit auch den Leidensdruck um einige Monate. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 35% der Pollenallergiker:innen auch auf Ragweed allergisch sind.

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Abbildung: Birkenpollen sind nicht nur für Pollenallergien verantwortlich, sondern auch für Kreuzallergien.

Kreuzallergien beachten

Bei einer Kreuzallergie verwechselt das Immunsystem die Allergene des Blütenstaubs (oder anderen Proteinen) mit Eiweißen in Nahrungsmittel. Bei einer Gräserpollenallergie oder allergischem Asthma kann es etwa zu einer allergischen Reaktion auf Hülsenfrüchte (Soja, Erdnuss) kommen. Menschen, die auf Birkenpollen allergisch reagieren, vertragen mitunter auch kein Stein- oder Kernobst (Kirsche, Zwetschke, Pfirsich etc.). Wer auf Beifußpollen reagiert, verträgt meist keine Karotten, Tomaten oder Sellerie. Viel Pollenallergiker:innen reagieren auch beim Verzehr von Nüssen mit einer Kreuzallergie und allergischen Beschwerden.

Warum nehmen Pollen-Allergien zu?

Allergien, darunter auch Pollen-Allergien, werden heute häufiger als noch vor einigen Jahren diagnostiziert. Das liegt einerseits an verbesserten Diagnosemethoden, aber auch daran, dass die Erkrankungsraten selbst stetig zunehmen. Warum das so ist, ist noch nicht endgültig geklärt. Es wird aber angenommen, dass hier einige Gründe zusammenspielen.

Durch die klimatischen Veränderungen kommt es nicht nur zu milderen Wintern und einer verlängerten Pollensaison, sondern auch zu mehr und längeren Hitzewellen, einer höheren Ozonbelastung und stark schwankender Luftfeuchte. Faktoren, die generell Einfluss auf Atemwegserkrankungen haben. In Ballungsräumen führt eine höhere Kohlendioxidbelastung auch dazu, dass vermehrt Pollen gebildet werden, da dieses Gas wie ein Dünger auf die Pflanzen einwirkt.

Ein weiterer Faktor ist die Umweltverschmutzung. Verbinden sich Ruß- oder Feinststaubpartikel mit Blütenstaub, führt dies zu einer stärkeren Reizung des Immunsystems, das wiederum fördert allergische Asthmaanfälle. Ebenso wie die immer häufiger auftretenden Tropennächte in Städten, die die Schlafqualität verringern, wodurch die Erholung leidet und Menschen angreifbarer gegenüber Allergenen werden.

Sonderfall „Thunderstorm-Asthma“

Wer also im Sommer auf ein Abflauen der Symptomlast hofft, könnte enttäuscht werden, vor allem, da auch sommerliche Gewitter hier keine Abhilfe schaffen. Im Gegenteil: Sommergewitter sorgen für das neue Krankheitsbild des Gewitter-Asthmas (Thunderstorm-Asthma). Dabei sorgen Blitz, Donner und Regen für das gleichzeitige Auftreten eines ganzen Bündels an Risikofaktoren: einem Temperaturabfall, hoher Luftfeuchte, dem sprunghaften Anstieg der Pollenkonzentration und einer massiven Erhöhung der bodennahen Ozonbelastung. Die erhöhte Pollenbelastung erklärt sich dadurch, dass Pollenkörner durch den Regen aufgesprengt werden, dadurch mehr und kleiner werden und so tiefer in die Atemwege eindringen können. 

Bekannt ist auch, dass Bäume im Klima-Stress höhere Mengen bestimmter Allergene produzieren und so stärkere allergische Symptome bei Allergikern:innen auslösen können. Noch tritt das Phänomen „Thunderstorm-Asthma“ in unseren Breitengraden nicht allzu häufig auf, meinen Experten:innen, aber durch die Zunahme von Extremwetterereignissen könnte es bald auch hier immer häufiger zum „Gewitter-Asthma“ kommen.

Pollen-App mit Heuschnupfen-Kalender und Gewitterwarnung

Wer weiss, wann und wo welche Blütenstaubkörnchen gehäuft auftreten und für eine stärkere Belastung sorgen, kann ihnen besser ausweichen oder sich gegen den Ansturm rüsten. Die österreichische Polleninformation der MedUni Wien hat deshalb seine App, die verlässliche Daten zur aktuellen Belastung (Pollen-Radar) und mehr herausgibt, um neue Services ergänzt. Beim „Asthmawetter“, das in Kooperation mit www.menschenswetter.at entwickelt wurde, bekommen Interessierte nun in fünf Abstufungen Auskunft darüber, ob die Wetterlage des Tages in ihrer Umgebung zu vermehrten oder verminderten Asthmasymptomen führen kann. Die „Gewitterwarnung“ wiederum zeigt an, ob und wann Gewitter zu erwarten sind oder ob damit zu rechnen ist, dass die Ozonwerte ansteigen. In diesen Fällen lautet die Empfehlung sich in Innenräumen aufzuhalten und sich rechtzeitig mit Medikamenten einzudecken (siehe: Behandlung von Asthma). Die App steht übrigens allen Interessierten kostenlos zur Verfügung.

App-Download

Hier finden Sie den App der österreichischen Polleninformation zum Downloaden auf Ihr Smartphone oder Tablet. Es ist verfügbar für Österreich, Deutschland, Frankreich und Spanien. Weitere Länder sollen in Bälde folgen. Die App von Polleninformation.at hilft Ihnen auch dabei, ein persönliches online-Tagebuch zu führen. So können Sie Ihre allergischen Beschwerden etwa mit der aktuellen Pollenbelastung vergleichen und überprüfen, ob die von Ihnen veranlassten Maßnahmen auch zum gewünschten Erfolg führen.

https://www.polleninformation.at/gratis-pollen-app.html

Was können Sie noch tun, um allergisches Asthma durch Pollen zu reduzieren?

  • Saugen Sie täglich und verwenden Sie Staubsauger mit HEPA (high-efficiency particulate absorbing)-Filtern oder andere zertifizierte Geräte

  • Lüften sie während „Ihrer“ Pollensaison nur kurz oder benutzen Sie Pollenschutzgitter an Fenstern

  • Versehen Sie auch Ihr Auto mit entsprechenden Filtern

  • Reinigen Sie Teppiche und Möbel regelmässig

  • Verwenden Sie Sonnenbrille und entsprechende Atemschutzmasken, wenn Sie sich im Freien aufhalten

  • Um Pollen aus den Haaren zu entfernen, hilft häufiges Haarewaschen

  • Lassen Sie ihre getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer liegen

  • Passen Sie Ihre Freizeitaktivitäten der Pollensaison und dem Wetter an

  • Vermeiden Sie Zigaretten, auch Passivrauch reizt die Atemwege

  • Beachten Sie den aktuellen Pollenflug auch bei beruflichen oder Urlaubsreisen. Am Meer und in den Bergen ist die Pollenbelastung generell niedriger

  • Verfallen Sie nicht in Panik, wenn „Ihre“ Pollen gerade Saison haben, holen Sie sich rechtzeitig Informationen (auch per App) ein und sorgen Sie mit entsprechenden Medikamenten vor

Begriffe

Extrinsisches Asthma: auch als allergisches Asthma bezeichnet. Bei dieser Erkrankung führen bestimmte Stoffe wie Pollen oder Hausstaub zu einer heftigen körperlichen Reaktion

Allergene: allergieauslösende Stoffe wie etwa Pollen, Wespengift oder bestimmte Chemikalien

Exazerbation: eine akute Verschlimmerung einer (meist) chronischen Erkrankung

AT-8859, 04/2023

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